Heinrich Goebel wurde am 20. April 1818 in Springe am Deister geboren. Nach seiner Schulzeit trat er bei einem Uhrmacher und einem Optiker in die Lehre und erlernte beide Berufe.
In seiner Werkstatt fertigte Heinrich Goebel neben Uhren auch optische Geräte und Quecksilberbarometer an. Sein handwerkliches Geschick brachte ihn in Verbindung mit dem Polytechnikum Hannover, der heutigen technischen Universität. Im Auftrag der dort tätigen Professoren baute Goebel komplizierte optische und technische Geräte für Unterrichtszwecke. Gerade diese Tätigkeiten intensivierten in ihm den Erfindergeist und die besondere Vorliebe für physikalisch-technische Fragen. Versuche, die Glühlampe auf den Erkenntnissen von J.W. Starr weiterzuentwickeln, zeigten jedoch nicht den gewünschten Erfolg.
1848 schließlich wanderte Heinrich Goebel mit seiner Familie nach Amerika aus.

Dort angekommen, eröffnete Goebel nach einiger Zeit in New York einen Uhrmacherladen, den er zwanzig Jahre lang betrieb. Aber auch in Amerika blieb Goebel geschäftlicher Erfolg verwehrt.
Um seinem Laden den nötigen Auftrieb zu verleihen, montierte der versierte Tüftler Goebel eine Zink-Kohlebatterie auf sein Haus und erzeugte mit dem Strom grelle Lichtbögen. Nachteilig daran war nur, daß die Nachbarn regelmäßig die Feuerwehr benachrichtigten, was schließlich zum gerichtlichen Verbot dieser ersten Versuche führte.
Unbeirrt davon setzte Heinrich Goebel seine Experimente, eine dauerhafte und ausreichend lichtgebende Glühlampe zu konstruieren, fort.

 

Der erste Schritt in die richtige Richtung war das Ersetzen der metallischen Drähte durch Kohlestäbchen. Im Gegensatz zu Draht schmolz die Kohle wesentlich langsamer, dennoch mußte ein Weg gefunden werden, den Sauerstoffverbrauch des Glühmittels zu minimieren.

Verschiedenste Materialien zierten fortan seine Versuchsreihen, bis er durch Zufall auf ein verkohltes Stück Bambus von seinem Spazierstock stieß, den er für einen seiner Versuche angesägt hatte. Es gelang ihm, von dem Stück Bambus Fasern in 0,2 mm Stärke herzustellen. Ein weiterer wichtiger Schritt war der Versuch, die Bambusfaser im Vakuum zum Glühen zu bringen. Vertraut mit der Herstellung von Quecksilber-barometern, konnte Goebel die Glasröhren durch Quecksilber luftleer machen (die Hg-Vakuumpumpe wurde erst 1865 durch H. Sprengel erfunden).
1854 endlich gelang es Goebel, Glühlampen zu bauen, die als Leuchtmittel verkohlte Bambusfasern enthielten und eine längere Brenndauer erreichten. Diese Lampen waren die ersten, die zu praktischen Beleuchtungszwecken genutzt wurden, wenn auch nur innerhalb Goebels Familie.
Mittlerweile war Goebel durch seine Experimente in finanzielle Schwierigkeiten geraten und fuhr mit einem von Lampen beleuchteten Fernrohr auf einem Pferdegespann durch die Straßen New Yorks. Passanten konnten gegen ein Entgelt so den Sternenhimmel betrachten.
Trotz dieses Wissensvorsprungs konnte Goebel keinen Vorteil für sich daraus ziehen. Mangels Geld und Persönlichkeiten von Einfluß konnte er seine Erfindung nicht patentrechtlich schützen lassen. So geriet seine Erfindung in Vergessenheit.

Auch wenn Goebel ein Patent hätte erwirken können, der Nachteil der damaligen Zeit lag insbesondere darin, daß als Stromquellen lediglich Batterien zur Verfügung standen. Eine kommerzielle Nutzung wäre also viel zu teuer geworden.Hinzu kommt, daß aufgrund der noch nicht erfundenen Vakuumpumpe jede Lampe einzeln durch Quecksilber entlüftet werden mußte.

 
Erst 1866, als Werner Siemens die Dynamo-Maschine erfand, war der Grundstein für eine Weiterentwicklung der Glühlampe gelegt.

1893 in einem großen Prozeß zwischen zwei amerikanischen Elektrizitätsgesellschaften konnte Goebel glaubhaft nachweisen, daß er schon 1854, also 25 Jahre vor Thomas Alva Edison, gebrauchsfertige Glühlampen anfertigte. 1879 gelang es Edison, eine Glühlampe lediglich 45 Stunden zum Leuchten zu bringen. Im Alter von 75 Jahren erhielt Goebel die ihm gebührende Anerkennung, wenige Monate vor seinem Tod.

 
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